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Triumph Bobber: Brutal schön, sanft im Auftritt

Die Rechnung von Triumph ging auf: Mit dem Label Bonneville, das in der Community einen legendären Ruf genießt, gab der britische Hersteller seinem Engagement im so wichtigen Retro-Sektor den passenden Anstrich und baute eine Reihe schöner Bikes rund um die zugkräftige Sub-Marke. Die Bonneville Bobber zählt zweifelsohne dazu.

Die Bonneville-Familie ist inzwischen auf eine mächtige Mitgliederzahl angeschwollen. Diese Modelloffensive verlieh dem Traditions-Fertiger aus Hinckley regelrecht Flügel, was Zulassungszahlen in Deutschland und Europa und damit Wahrnehmung im Straßenbild angeht. Die Modellvariante Bobber, die Anfang 2017 in den Showrooms des Handels debütierte und vor kurzem durch die Bobber Black Verstärkung erhielt, beförderte diesen Trend nochmals. Die für den deutschen Markt vorgesehenen 250 Modelle waren flugs ausverkauft, die zuständige Niederlassung musste kräftig nachordern.

Kein Wunder: Mit der vom Marketing „Brutal Beauty“ getauften Bobber gelang Triumph ein optischer und technischer Leckerbissen. Einer, der den Neoklassizismus im Motorradbau auf die Spitze treibt. Mit höchstem technischen Aufwand wurde bis ins kleinste Detail am authentischen Retro-Auftritt des Bikes gefeilt: Das Hinterrad steckt in einer auf Hardtail machenden Kastenschwinge mit unter dem Sitz angebrachtem Zentralfederbein, die Elektrik wurde weitgehend unsichtbar verlegt, die moderne, sehr bequeme und vielfach verstellbare Sitzschale mit Alu-Unterbau geriet – auch wenn sie keine Eigenfederung hat wie frühere Motorräder – sehr authentisch, die Einspritzanlage versteckt sich hinter verblüffend vergaserähnlichen Abdeckungen.

So retro ihr Auftritt, so neo das Fahrverhalten der Bobber. Der bewährte 1.200-Kubik-Twin, dem die Triumph-Techniker für den Einsatz im Cruiser etwas Vehemenz in der Spitze nahmen, dafür aber zu etwas mehr Drehmoment verhalfen, schiebt mit sonorem Sound aus dem Drehzahl-Keller heraus kräftig an, macht durch seine lineare Leistungsentfaltung schaltfaules Cruisen ebenso möglich wie den kraftvollen Sprint über die Viertelmeile. Das Getriebe, das beim Schalten stets ein klar zu vernehmendes, aber nie als unangenehm empfundenes akkustisches Feedback gibt, verwöhnt mit butterweichen Gangwechseln und kurzen Hebelwegen. Bis um die 130 km/h offeriert die Bobber ein makelloses Fahrerlebnis, beweist große Harmonie im Zusammenspiel von Motor und Fahrwerk. Wandert die Tachonadel aber weiter, setzen aufkeimende Vibrationen im Lenker und die begrenzte Schräglagenfreiheit dem Geschwindigkeitsrausch Grenzen.

Kein Problem: Denn auch wenn sie „Brutal Beauty“ heißt – die Domäne der Bobber liegt dann doch eher im sanften Landstraßen-Streicheln, im entspannten Cruisen, im gechillten Dahingleiten. Das gelingt dank entspannter Sitzposition nah am Fahrzeugschwerpunkt, griffigem Lenker und straff, aber keineswegs unkomfortabel abgestimmter Fahrwerkselemente bestens. Auch die ab Werk aufgezogenen Avon-Pneus vom Typ Cobra funktionieren gut, verwöhnen im Trockenen mit sauberem Feedback und bester Haftung. Lediglich bei Nässe sollte man Vorsicht walten lassen.

Kilometerfressen ist eindeutig nicht das Ding der Bobber. Nicht nur der Fahrcharakteristik wegen. Allein der Tank fasst weniger als 10 Liter Sprit, nach spätestens 140 Kilometern ist also der nächste Stopp beim Tankwart angesagt. Aber sie will ja auch nicht nur fahren, sondern ob ihrer Schönheit bewundert werden: Triumphs „Brutal Beauty“.

Unsere Einschätzung:
Triumph zeigt mit der Bobber ein immenses Gespür für das Konzept Klassik-Motorrad. Und der Hersteller beweist, dass er nicht nur schöne Motorräder bauen kann, sondern auch solche, die tadellos funktionieren, die Zuverlässigkeit und Nutzwert mit einem glänzenden Auftritt verbinden. Die ein gut funktionierendes, bestens abgestimmtes Fahrwerk mitbringen und einen zeitgemäßen, blitzsauberen Motor. Diese Mischung findet Anklang und beschert dem Hersteller derzeit gute Absatzzahlen. Bleibt zu hoffen, dass der Retro-Trend noch sehr lange anhält und noch weitere Bonneville-Ableger Marktchancen erhalten.

Technische Daten:
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Reihenmotor, 1.200 ccm, 57 kW (77 PS) bei 6.100 U/min., max. Drehmoment: 106 Nm bei 4.000 U/min.
Normverbrauch: ca. 4,1 Liter pro 100 Kilometer.
Sitzhöhe: 690 mm, Gewicht: 228 kg (trocken).
Bereifung: 110/90-19 (vorne), 150/80 R16 (hinten).
Preis: ab 12.700 Euro zzgl. Nebenkosten.

(Fotos, Video: Triumph)